Φ ⋮ Kleanthes und die Disziplin der Weltordnung
Kleanthes tritt in den Text wie ein Mann, der das Lógos nicht erklärt, sondern trägt – als wäre es ein Eimer, den man nicht absetzen darf. Sein Stoizismus riecht nach kaltem Brunnenwasser und nach Göttern, die nicht trösten. Ein Name, der Ordnung sagt – und doch nach Nachtarbeit klingt.
Stilisierte Darstellung – Kleanthes
Δ ⋮ Der Tonkrug am Rand der Nacht
Eine Öllampe flackert, nicht aus Dramatik, sondern weil Lampen so sind. Daneben ein Tonkrug, das vertraute Geräusch von Wasser, das gegen Keramik schlägt – und ein Seil, das über den Brunnenrand schabt. In dieser Szene liegt nichts Heldisches – nur der alte, stoische Luxus, etwas Reales in der Hand zu haben.
Kleanthes passt in so einen Randbereich. Nicht auf die Tribüne, eher in den Zwischenraum zwischen Arbeit und Denken – dort, wo der Körper noch weiß, was Gewicht ist. Die Überlieferung liebt diese Art von Bild: ein Philosoph, der nachts Wasser trägt, tagsüber Argumente. Das wirkt fast zu sauber, als hätte jemand die Härte der Armut in eine hübsche Lehrtafel gegossen. Und doch bleibt etwas Stimmiges daran: Ordnung beginnt selten im Kopf. Sie beginnt oft am Handgelenk.
Λ ⋮ Zweiter Mann der Stoa, erster im Ton
Kleanthes von Assos gehört zur frühen Stoa – jener Gründungsphase, in der vieles noch nicht geschniegelt wirkt, sondern wie ein Baugerüst dasteht: sichtbar, nützlich, manchmal schief.
Er kommt aus Assos in der Troas, wirkt in Athen und steht an einer heiklen Stelle der Schulgeschichte: nach Zenon von Kition übernimmt er die Leitung der Stoischen Schule und hält sie zusammen, bevor Chrysipp sie später systematisch ausbaut.
Sein Profil ist weniger der große Architekt als der, der das Gebäude bewohnbar hält. Bei Kleanthes bekommt die frühe Stoa einen deutlich religiös gefärbten Klang: Zeus – nicht als Trostfigur, sondern als Ordnungsprinzip – rückt in den Vordergrund. Der Kosmos erscheint als lebendiges Ganzes, durchzogen von Vernunft, Gesetz und einer Weltlogik, die sich nicht um persönliche Pläne schert. Das ist keine gemütliche Spiritualität. Eher eine nüchterne Zumutung: Wenn es eine Ordnung gibt, dann ist sie nicht dazu da, sich deiner Stimmung anzupassen.
Ein Satz aus dem Zeushymnus setzt den Ton, ohne ihn zu erklären.
Denn dich anzusprechen ziemt sich für alle Sterblichen.
– Kleanthes, Hymnos eis Dia (Übers. Effe)
Auch in den verstreuten Lehren schimmert diese körpernahe Metaphysik durch. Die frühe stoische Psychologie verknüpft Geist und Wärme – der Nous als „inneres Feuer“ oder vitale Wärme, nicht als schwebende Wolke. Ethik steht dabei nicht als Moralpredigt im Raum, sondern als Zielbestimmung: das Telos menschlichen Handelns als Eudaimonia, als gelingendes Leben – nicht im Sinne von Glücksrausch, eher als ruhige Stimmigkeit mit der Welt.
Von seinen Schriften ist das meiste verschwunden. Überliefert bleiben Titel, Fragmente, spätere Stimmen – und ein Text, der wie ein Rest an Licht wirkt: der Hymnus an Zeus. Er ist weniger Beweisstück als Tonspur: Man hört, wie die Stoa klingen kann, wenn sie Ordnung nicht nur behauptet, sondern wirklich besingt. Und gleichzeitig bleibt alles brüchig: Was wir „wissen“, ist häufig ein Bündel aus Fragmenten, Listen, Anekdoten – sauber genug, um zu zitieren, zu unruhig, um sich darin bequem einzurichten.
Π ⋮ Überlieferung, geschniegelt
Man möchte Kleanthes gern als Musterexemplar ausstellen: der Nachfolger, der Fromme, der Fleißige. Die Quellen liefern dafür genug Holz – und lassen doch überall Späne liegen. Vielleicht ist das sein bester Beitrag: Er wirkt nicht wie ein Denkmal, sondern wie ein Arbeitsgerät. Ein bisschen abgenutzt, dafür ehrlich.
Ξ ⋮ Besprechungsraum, Pendelweg, Posteingang
Im Besprechungsraum stehen Wasserflaschen wie kleine, durchsichtige Alibis. Auf dem Tisch liegt ein Stift, der nichts schreibt, aber viel signalisiert. Die Stimmen sind freundlich, die Rollen sitzen enger als die Hemdkrägen.
Jemand sagt „das ist nur eine Rückfrage“ – und der Raum glaubt kurz an Frieden. Dann fällt ein Satz, der nach Bewertung klingt, und das Gesicht macht diese winzige Verzögerung, bevor es sich wieder zur professionellen Version faltet.
Die alte stoische Idee von Ordnung taucht hier nicht als Lehre auf, sondern als Geräusch im Hintergrund: das leise Klacken, wenn Urteil und Funktion ineinander greifen. In solchen Momenten wirkt der Kosmos nicht groß, eher klein – als Aktenblatt, als Kalender, als Erwartung, die sich selbst für ein Naturgesetz hält.
Und doch hängt alles an derselben Stelle: an der inneren Zustimmung zu einem Eindruck, der gerade durch den Kopf marschiert, geschniegelt und mit Namensschild.
Auf dem Pendelweg ist das Setting weniger höflich. Türen schließen, Menschen stehen zu dicht, die Luft wird schlecht, jemand telefoniert mit dem Ton eines öffentlichen Eigentums.
Der Körper registriert zuerst, der Kopf liefert später die Geschichte dazu. Es reicht ein kurzer Blick, ein zu langes Schweigen im Nachrichtenfaden, eine Nachricht mit „nur zur Info“ – und schon steht die Bühne. Die moderne Tragödie ist nicht laut, sie ist formatiert.
In dieser kleinen Ökonomie aus Erwartungen und Reaktionen zeigt sich, wie nah Kleanthes’ Blick auf die Weltordnung plötzlich wirkt.
Nicht als Sternenkuppel, sondern als Kette kleiner Angemessenheiten: Was passt zur Rolle, ohne dass die Person daran kleben bleibt? Was bleibt sachlich, ohne dass es kalt wird? Und was ist bloß eine spontane Meinung, die sich als Charakter ausgibt? Ordnung ist hier kein Schmuck. Sie ist eher das, was übrig bleibt, wenn der Reflex kurz aussetzt.
Σ ⋮ Der Körper als erstes Protokoll
Der Körper führt Buch, lange bevor der Satz fertig ist. Die Schultern gehen hoch, als wäre dort ein unsichtbarer Eimer eingehängt. Der Kiefer wird hart, die Zunge drückt gegen die Zähne, und das Herz setzt einen Takt, der nur nach innen gehört. In Wartezonen – Aufzug, Hotline, Arztflur – entsteht eine besondere Art von Müdigkeit: nicht die des Schlafs, sondern die der ständigen Bereitschaft, gleich etwas „richtig“ zu machen.
Auch hier taucht diese große, unpersönliche Ordnung kurz auf – als Behauptung, die nicht tröstet.
Zeus, du Allesgeber, Dunkelumwölkter, Herr mit dem hellen Blitz …
– Kleanthes, Hymnos eis Dia (Übers. Effe)
Manchmal ist es nur der Daumen auf der Glasfläche. Er schwebt über „Abschicken“ wie über einer Klingel, die man nicht mehr zurückdrücken kann. Der Impuls ist schnell, die Haltung langsam. Genau da liegt der Resonanzraum, in dem stoische Praxis heute auffällt, ohne sich anzukündigen: als Verzögerung, als kleine Unterlassung, als innerer Schritt zur Seite – nicht heroisch, eher hygienisch.
In der Sprache der Stoa wäre das der Punkt, an dem nicht der Eindruck regiert, sondern die Zustimmung dazu. Synkatáthesis (Zustimmung zum Eindruck – der Moment, in dem Haltung entsteht.) klingt dabei schöner, als es sich anfühlt. Es ist kein goldener Schalter im Kopf, eher ein kurzer Griff ans eigene Handgelenk – als würde man prüfen, ob der Puls gerade Theater spielt.
Kleanthes’ Idee eines durch Vernunft geordneten Ganzen wird im Körper nicht zur Erklärung, sondern zur Temperatur. Es gibt Tage, da wirkt sie wie „inneres Feuer“: eine trockene Wachheit, die den Impuls nicht wegdrückt, aber ihm den Thron verweigert.
Und es gibt Tage, da bleibt nur eine nüchterne Körperhaltung – Kinn etwas tiefer, Schultern etwas weicher, Atem nicht als Technik, sondern als Fakt. Stoisch ist das nicht, weil es glänzt. Stoisch ist es, weil es die Szene nicht größer macht, als sie ist.
Ψ ⋮ Nachwirkung ohne Denkmal
Kleanthes bleibt im Gedächtnis der Stoa wie ein Geräusch, nicht wie eine Statue. Man weiß, dass es viele Schriften gab – und sieht heute vor allem die Ränder: Titel, Bruchstücke, spätere Stimmen, die ihn zitieren oder an ihm vorbeireden. Der Hymnus an Zeus wirkt dabei wie ein seltenes Stück zusammenhängender Sprache.
Nicht, weil er alles erklärt, sondern weil er eine Haltung hörbar macht: Ordnung als etwas, das größer ist als der eigene Innenausbau.
Und genau hier beginnt die Unruhe. Die Überlieferung ist freundlich zu klaren Figuren, besonders zu denen, die sich gut erzählen lassen. Kleanthes liefert das Material: der zweite Mann der Schule, der Ton der Frömmigkeit, das Bild von der Weltordnung. Gleichzeitig ist alles so fragmentarisch, dass jeder spätere Leser unweigerlich mitbaut – manchmal elegant, manchmal mit zu viel Gips. Vielleicht ist das der Preis eines Denkens, das mehr trägt, als es protokolliert.
Ordnung ist bei Kleanthes weniger Ergebnis als Verpflichtung.
Eine tradierte Zeile wird Kleanthes zugeschrieben – mehr als Tonspur denn als Besitzurkunde.
Denn weder für Sterbliche noch für Götter gibt es eine größere Ehrengabe, als das allgemeine Gesetz … zu preisen.
– Kleanthes, Hymnos eis Dia (Übers. Effe)
Sie passt – und sie passt vielleicht zu gut.
Denn je glatter ein Satz sitzt, desto leichter wird er zum Ersatz für das Eigentliche: für das langsame, handwerkliche Verhältnis von Zustimmung, Weltbild und dem kleinen, täglichen Widerstand gegen das eigene Theater. Kleanthes lässt sich nicht vollständig sichern. Das ist kein Mangel. Es ist die Art, wie manche Stimmen wirken: als Nachhall, der die Eindeutigkeit stört.
Ω ⋮ Zeit, Maß, Weltbezug
Wer heute nach Kleanthes greift, greift zwangsläufig nach etwas, das schon von anderen Händen poliert wurde. Der Text, den man meint zu lesen, ist oft eine Schichtung: Fragment, Deutung, Übersetzung, wieder Deutung.
Und trotzdem kann etwas sehr Direktes passieren, fast körperlich: ein Moment, in dem die Welt nicht als Bühne erscheint, sondern als Ordnung, die weiterläuft, auch wenn der Kalender tobt.
Vielleicht ist das die moderne Form seines Zeus – nicht als Figur, sondern als Hintergrundrauschen. Die Ampel schaltet, die Bahn fährt, eine Nachricht kommt an, ohne dass sie um Erlaubnis fragt. In so einem Augenblick bekommt Zeit eine Qualität, die nicht gemütlich ist, aber klar: Kairós (Der passende Moment – nicht machbar, nur erkennbar.) – ein Schnitt im Strom, der nicht spektakulär wirkt, eher wie ein kurzer Griff ans Licht.
Die leise Gegenstimme bleibt dabei bestehen. Vielleicht ist diese Weltordnung, die so streng klingt, auch nur eine besonders schöne Art, sich zu beruhigen.
Vielleicht wird „Ordnung“ manchmal als Deckel benutzt, wenn es innen klappert. Und doch: Es gibt eine Nüchternheit, die nicht kalt ist, sondern entlastend. Nicht alles verlangt Kommentar, nicht alles verlangt Reaktion, nicht alles verlangt ein Ich in Bestform.
Ob das genügt, wenn der Tag laut wird
Weitertragen
💬 Lehrsplitter der Stoa
[Ratsuchender]: Am Brunnen ist das Wasser klar – und doch zittert meine Hand. Warum?
Kleanthes: ✦ Das Wasser ist ruhig genug. Ein Urteil rührt es um – und nennt es Unruhe.
[Ratsuchender]: Im Tempel rufen sie Zeus, als würde er antworten. Warum bleibt es still?
Kleanthes: ✦ Weil die Ordnung nicht spricht, sondern ordnet. Die Stimme kommt von dir – das Gesetz von anderswo.
[Ratsuchender]: Ich sehe nur Dinge: Stein, Staub, Menschen. Wo ist der Zusammenhang?
Kleanthes: ✦ Du suchst ein Ding und meinst eine Ordnung. Sie ist nicht weit weg – nur nicht laut.
[Ratsuchender]: Du nennst den Geist ein inneres Feuer. Bei mir flackert es. Ist das schon das Ende?
Kleanthes: ✦ Ende ist ein großes Wort für ein kleines Flackern. Die Wärme trägt – und Stimmigkeit geht auch ohne Glanz.
≜ stoisch reflektiert von Stay-Stoic
Prüfsteine bei Kleanthes
Wenn Ordnung nicht tröstet
Bei Kleanthes zieht sich der Blick vom Ereignis weg auf den Rahmen, der es trägt. Der Ton wird leiser, aber strenger: weniger Geschichte über einen selbst, mehr Maß der Welt.
Profilkante – Zeus als Name für Gesetz
Sein Zeus klingt schnell wie Frömmigkeit, ist aber oft eher ein Wort für Ordnung. Wer darin sofort Nähe sucht, liest leicht Wärme hinein, wo Kleanthes eher Regel meint – und verpasst die Nüchternheit, die sein Denken eigentlich hat.
Entscheidungskultur unter Maß und Verantwortung
In Lagen, in denen Maßstäbe gelten, auch wenn niemand applaudiert, wirkt Kleanthes wie ein stiller Prüfstein. Nicht das schnelle Rechtbehalten zählt, sondern ob eine Handlung in den Rahmen passt, ohne den Rahmen zu verbiegen – Stimmigkeit als Ziel, nicht Glanz.
Innere Regung und Selbstführung im Moment
Wenn der Geist als Wärme gedacht wird, zeigt sich Unruhe zuerst als Temperatur: zu heiß, zu flackernd, zu nah. Kleanthes’ Dreh liegt dann darin, nicht die Regung zu bekämpfen, sondern die Deutung zu lockern, die sie groß macht.
Offener Nachhall nach der Lektüre
Am Ende bleibt weniger ein Satz als ein Klima: Ordnung als Weltmaß, das nicht schmeichelt. Ob man darin Trost findet oder eher Klarheit, darf offen bleiben.
Stoiker-Steckbrief: Kleanthes
Strukturierte Research-Fakten.
1. Name und Varianten
Griechisch: Κλεάνθης (Kleánthēs). Lateinisch: Cleanthes. Übliche Ortsangabe: „Kleanthes von Assos“ (Assos in der Troas, Kleinasien).
2. Lebensdaten & Epoche
Geburt: 331/330 v. Chr. (Assos). Tod: 232/231 v. Chr. (Jahrespaare sind in der Forschung/Referenzliteratur gängig und markieren eine Restunsicherheit).
Epoche: Früher Hellenismus; Wirken in Athen. Schulamt: Leiter (Scholarch) der Stoa nach Zenon von Kition, etwa 263–232 v. Chr.
3. Zugehörigkeit innerhalb der Stoa
Frühe Stoa (Old Stoa): zweiter Scholarch nach Zenon, vor Chrysipp; in der Standarddarstellung der Schulgeschichte als zentrale Figur der Gründungsphase verortet.
4. Historischer Kontext & Rolle
Antike Biographieüberlieferung (doxographisch/anekdotisch): Kleanthes kam „mit nur vier Drachmen“ nach Athen und wurde Schüler Zenons; zuvor soll er als Faustkämpfer (pugilist) gegolten haben.
Aus Armut arbeitete er nachts als Wasserträger in Gärten und übte tagsüber Dialektik; daher der Beiname „Well-lifter“ (Phreantlēs). Überliefert ist ein Verfahren/Verhör, in dem er seine Arbeit durch Zeugen (Gärtner; Frau, die ihm Mehl verkaufte) nachwies; die Areopagiten wollten ihm eine Geldzuwendung geben, die Zenon ihm zu nehmen untersagte.
Überliefert sind außerdem (1) ein Geschenk Antigonos’ (Antigonos II. Gonatas) und (2) die Notiz, Kleanthes habe Zenons Vorträge aus Geldmangel auf Muschelschalen und Schulterblättern von Rindern notiert. Sein Tod wird in der Tradition als freiwilliges Fortsetzen eines ärztlich begonnenen Fastens geschildert (nach Zahnfleischentzündung).
5. Zentrale Themen & Lehren
✦ Theologie: „Religiöser“ Ton der Frühstoa; Zeus/Gott als ordnendes Prinzip, der Zeushymnus als Schlüsselzeugnis.
✦ Kosmos: das All als lebendiges Ganzes; Gott als belebender Äther (aether) bzw. als durchwirkende Vernunft.
✦ Psyche: frühe stoische Psychologie – Geist/Nous als „inneres Feuer“ bzw. „Vitalwärme“; spätere Pneuma-Ausarbeitung v. a. bei Chrysipp.
✦ Telos: Ethik im System – eudaimonistische Ziellehre; eudaimonia als letzter Zweck des Handelns.
6. Lehrer, Schüler, wichtige Beziehungen
Lehrer: Zenon von Kition (Kleanthes als legitimer Nachfolger). Schüler: Chrysipp (späterer Scholarch und Hauptsystematiker). In biographischen Notizen erscheint außerdem Antigonos II. Gonatas als König, der ihn unterstützte; in Britannica wird Antigonos auch als „pupil“ genannt (Deutung: als Hörer/Schüler im weiteren Sinn).
7. Wesentliche Werke
Überliefert ist ein umfangreiches Werkcorpus, das weitgehend verloren ist: Britannica nennt „etwa 50“ Schriften, von denen nur Fragmente erhalten sind; die Fragmente/Zeugnisse liegen u. a. bei Diogenes Laertios und Stobaios, teils auch bei Cicero und Seneca.
Diogenes Laertios überliefert zahlreiche Werktitel (Auswahl): „Über die Zeit“, „Über Zenons Naturlehre“ (2 Bücher), „Auslegungen zu Heraklit“ (4 Bücher), „Über die Götter“, „Über die Pflicht“ (3 Bücher), „Über die Logik“ (3 Bücher), „Über das Ziel“ (peri telous). Als prominentester zusammenhängender Text gilt der Zeushymnus (Hymnos eis Dia), der als Kernbeleg für die Frühstoa gilt.
8. Nachwirkung & Einfluss
✦ Schule: als zweiter Scholarch Kontinuität zwischen Zenon und Chrysipp; prägte den Ton der Stoa, besonders theologisch-kosmologisch.
✦ Zeushymnus: seltenes, zusammenhängendes Zeugnis stoischer Frömmigkeitssprache; bis heute Schlüssel für Providenz- und Logosdeutungen.
✦ Schicksal: die Formel „ducunt volentem…“ – bei Seneca überliefert, zugleich als Übersetzung aus Kleanthes diskutiert; Autorschaft unsicher.
9. Belegbare Zitate
„Du Unsterblichen Höchster, Vielbenamter, der ewig nach Gesetzen die Natur beherrscht, mächtiger Führer: sei mir gegrüßt, o Zeus.“
Kleanthes, Hymnos eis Dia (eigene Arbeitsübersetzung).
„Höchster König des Alls: ohne dich geschieht auf Erden und im Meer nichts, noch am ätherischen Himmelspol.“
Kleanthes, Hymnos eis Dia (eigene Arbeitsübersetzung).
„Die vertreibe, Vater, von der Seele und gib, daß wir auf Einsicht stoßen …“
Kleanthes, Hymnos eis Dia (Übers. Effe).
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10. Kommentar zur Quellenlage
Die Quellenlage ist insgesamt fragmentarisch: Von Kleanthes’ umfangreichen Schriften sind fast nur Titel, Fragmente und spätere Zeugnisse erhalten. Biografisches ist stark anekdotisch (v. a. Diogenes Laertios) und muss vorsichtig gelesen werden; der Zeushymnus ist das wichtigste zusammenhängende Stück.
Redaktionelles Porträt erstellt von Mario Szepaniak.
Quellen / Sources
Hinweis
Dieser Beitrag ist ein redaktioneller Text – keine persönliche, psychologische oder medizinische Beratung. Für individuelle Fragen gilt der Haftungsausschluss.
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